Archiv für Juni 2008

Irgendwie sind so große Festivals ja doch eher Geduldsprüfung als Party…

Soo,bin heut Nacht vom Hurricane-festival zurückgekehrt und versuche Mal, meine Erfahrungen niederzuschreiben, solange sie noch frisch sind.

1.Tag(Donnerstag):
Daniel und ich fahren direkt nach der Schule los.Dem vorangegangen ist eine lange Suche nach einer Mitfahrgelegenheit, weil die Ursprüngliche sich den Arm gebrochen hat und nicht autofahren kann. Ich brauch endlich diesen Scheiss-Führerschein, echt mal. Daniel malträtiert(haha,schreibt man das so?) mich mit wenig abwechslungsreicher Beschallung, wir hören die ganze Zeit ein Arctic Monkeys-Album und eins von den Ärzten. Nicht dass ich was gegen eine dieser beiden Bands hätte,im Gegenteil, kam bei beiden bereits in den Genuss hervorragender Live-Auftritte(2mal Ärzte,1mal Monkeys, der Drummer der Letzteren hatte das schickste Schlagzeug der Welt),aber wenn man 6 Stunden unterwegs ist(Leider fiel Daniel auf halber Strecke auf, dass er sein Ticket vergessen hatte, dazu kamen dann noch einige rekordverdächtige unfallbedingte Staus),kann selbst die großartigste Musik nach der 4ten Wiederholung leicht nerven.Aber ich schweife ab.
Angekommen(so ca um halb 10,es regnet gelegentlich und der Matsch hat meine Schuhe bereits jetzt weitestgehend unkenntlich gemacht) wandern wir mit einer Gruppe, die teilweise aus Freundinnen von mir besteht, stundenlang durch die Gegend,um einen Zeltplatz zu ergattern wo wir alle Platz finden. Die Gruppe findet einen für sich und hält unseren Verbleib für einen zu vernachlässigenden Kollateralschaden. Toll. Wir suchen zu zweit weiter, nach einer grob geschätzten Viertelstunde verbittertem Rumgefluche kriege ich mich wieder ein. Letztlich bauen wir unser Zelt bei Julians und Kevs Platz auf, nach einer Ausufernden gegenseitigen Suchaktion. Ich weiß jetzt schon dass ich mich hier nicht zurechtfinden werde. Der Platz ist ewig weit vom Bühnengelände weg und noch weiter vom Parkplatz. Gegen eins schlafen wir erschöpft und entnervt ein.

2.Tag(Freitag):
Nachdem ich beim „Frühstück“(so ungesund wies geht,Chips,Cola,meine selbstgebackenen Müsliriegel die man eher in Schokoladenkrümel umtaufen sollte,ein schlechtes Gewissen beschleicht mich) so lange auf meine Zeltplatzgenossen eingeredet habe, dass sie die nervliche Belastung erstmal mit ein Bisschen Vodka Energy lindern müssen(es ist ca 12Uhr morgens),gehen wir um ca 16 Uhr Turbostaat angucken. Erste Zweifel am festivaltypischen Sound beschleichen mich, obwohl ich zeimlich nah an der Bühne bin ist immer noch alles viel zu leise und der saubere Sound missfällt mir,auf dem Viva la Natur Festival haben die Herren mir deutlich besser gefallen. Wir holen die restlichen Getränke und das sonstige Gepäck aus dem Auto,ich könnte mich jetzt schon wieder schlafen legen. Um sieben schleift Kev uns zu Patrice, die Musik ist okay,wenn auch nicht mein Fall, und trägt nicht gerade dazu bei, meinen Zustand fortgeschrittener Müdigkeit zu verbessern. Danach spielt Deichkind,von der spektakulären Bühnenshow kriege ich leider nicht viel mit,weil wir uns um nicht zerquetscht zu werden hinter den Soundtower flüchten, das Publikum ist eine Masse unkontrollierter Bewegung, wer da keine blauen Flecken abgekriegt hat verdient Respekt. Mir fällt wieder ein, warum ich so große Menschenansammlungen normalerweise meide, egal, da muss ich jetzt durch, selbst schuld. Ich verzichte aus Faulheit und mangelnder Begeisterung darauf, mir NoFX anzugucken, die Beatsteaks sind wie immer super,aber auch hier macht es die Menge unmöglich,was anderes als die Leinwände zu sehen zu kriegen. Ich fasse den Beschluss mir die Beatsteaks irgendwann mal anzusehen wenn sie in der Nähe spielen, am besten in der kleinstmöglichen Halle. Zunächst sträube ich mich dagegen, mir die Chemical Brothers anzusehen, werde aber mehr oder weniger gezwungen(so ist das mit der Orientierungslosigkeit), und werde eines besseren belehrt: Super Atmosphäre, angenehme Musik, umwerfende Lightshow.kann ich nur weiterempfehlen. Schlafe zufrieden ein,dummerweise nur nicht in meinem Zelt sondern in Julians und Kevs, weshalb Julian gezwungen ist,sich ziemlich unkomfortabel neben mich zu quetschen,was er mir noch zwei Tage vorhalten wird. Wenn ich einmal irgendwo einschlafe, bin ich da nur schwer wieder wegzukriegen,hehe…

3.Tag(Samstag):
Am anstrengendsten der drei Tage an denen Bands spielen sehe ich mir The (International) Noise Conspiracy(coole lila Capes,viel rumgehüpfe auf der Bühne,etwas lahme Musikdarbietung,aber insgesamt trotzdem lohnend),Does it offend you,Yeah? (Superband,bin regelrecht verliebt,ist auch die einzige Band auf dem Festival,bei der ich es wagte ganz vorne zu stehen,war recht schmerzhaft,aber das war es wert),The Subways(hach waren die niedlich,der Refrain von Rock´n´Roll Queen auf deutsch war zuckersüß,das Glitzerkleid von Charlot war super und Billy ohne Shirt war auch nicht zu verachten,definitiv einer meiner favorisierten Auftritte des Festivals),ein Bisschen Madsen(gar nicht so langweilig wie ich gedacht hatte) und natürlich die Foo Fighters(herbe Enttäuschung,die waren besoffen und lahm,das einzige was cool war war das Triangelsolo) an(die Foals haben abgesagt,menno!),dann quäle ich mich mit schmerzenden Beinen und noch schmerzenderen Füßen zum Zelt und schlafe sofort. Die drei Jungs haben ziemlich gesoffen(vor allem Daniel ist schwer zu ertragen) und sollen am nächsten Tag noch ihren Spaß mit den Folgen haben.Es hat den ganzen Tag ziemlich rumgestaubt,trotzdem ich mit Reinigunstüchern an mir rumwische wie eine Verrückte,sehe ich aus als hätte ich mich in einem Blumenbeet gewälzt,es wird wirklich Zeit mal zu duschen,aber die Duschen auf dem Festival sehen nicht vielversprechend aus(eher als würden sie es noch schlimmer machen),weshalb ich mich zwinge abzuwarten.

4.Tag(Sonntag):
Wir verzichten darauf,uns Jennifer Rostock anzusehen(die Motivation der Jungs ist sowieso auf die Optik der Sängerin zu reduzieren),ich bin noch zu müde und die anderen drei leiden sichtlich unter Biervergiftung.geschieht ihnen ganz recht. Wir beschließen,doch nicht erst Montag morgen,sondern schon Sonntag Abend zurück zu fahren,die Aussicht auf eine weitere Übernachtung begeistert uns wenig,eine Unwetterwarnung bestätigt uns. Nachdem wir unseren Kram ins Auto geschleppt haben, gehe ich allein zu den Donots weil ich Kev und Julian verloren habe und Daniel lieber zu Tocotronic geht(da bekam ich den Schluss auch noch mit,beides wurde aber ziemlich im Regen ertränkt,und meine Regenjacke war natürlich wo?Richtig,im Auto.)Als Razorlight anfangen zu spielen treffe ich auf Daniel,Jordi,Annika und Verena,wir sitzen auf dem Boden rum und quatschen,ebenso bei Sigur Rós,weshalb ich zu beiden nicht viel sagen kann. Nach den Kooks (da wars auch zu voll um vernünftig was mitzukriegen),gehts ab nach Hause.Das erste was ich tue ist duschen.Dann baden.Dann nochmal duschen. Der ganze Dreck ist aber immer noch nicht runter,ich hab noch nie so lange,mit so viel Seife und so wenig Erfolg an mir rumgeschrubbt.

Übermorgen gehts dann zum Fusion-Festival.Hoffentlich gehts da gesitteter zu und hoffentlich spielen da noch n Paar gute Bands,die Headliner sind ja noch nicht veröffentlicht.Aber ich freue mich schon mal sehr auf Juri Gagarin und Bratze. So,jetzt gehe ich erstmal nochmal duschen :D