Von Trennungen, Freud, dem Nichtrauchen und Debbie Harry

Habe gerade lange über einen beiläufigen Vergleich in einem Artikel einer Studentenzeitschrift nachgedacht. Das worüber ich nachdachte hat aber objektiv betrachtet wenig mit dem eigentlichen Thema des Artikels zu tun, das war nämlich die Bewältigung von Trennungsschmerz, und er hatte im Übrigen bei aller Verehrung die ich dieser Zeitschrift sonst entgegenbringe absolut überhaupt nichts Neues zu erzählen. Nichtmal mir, die auf diesem Gebiet eigentlich nicht übermäßig erfahren ist, da ich dazu neige, der Möglichkeit der Entstehung von Trennungsschmerz dadurch vorzubeugen, dass ich äh, sagen wir mal nicht gerade emotional überschwänglich an potenzielle Beziehungen herangehe. Weshalb sie nicht zustande kommen. Und das einzige Mal(zumindest auf der Ebene einer sowohl emotionalen als auch sexuellen Beziehung,platonisch-emotional mag das schon öfter vorgekommen sein), wo eine Trennung tatsächlich Schmerzen in ausgiebigem Maße bei mir hervorrief, hätte mir das Zeug was da steht jedenfalls auch nicht geholfen. Ohje, jetzt bin ich aber wirklich gründlich abgeschweift, äh, der Vergleich, richtig. Es wurde einem angeraten, Erinnerungsstücke aufzubewahren, sie aber nicht an einem ständig sichtbaren Ort zu postieren, das ganze wurde verglichen mit (aha, endlich kommt sie zum Punkt!) einem Nichtrauch-Anfänger, der ja auch keine Schachtel Zigaretten auf seinen Nachttisch legt. Da wurde ich dann nachdenklich. Ich konnte schwerlich beurteilen, wie mit dem Nichtrauchen anfangen wohl ist, dafür müsste man ja erstmal mit dem Rauchen anfangen, und das ist etwas, was mich zu keinem Zeitpunkt meines bisherigen Lebens sonderlich gereizt hätte, außer vielleicht aus Gründen der Sexyness, die so mancher Raucher in diesen schleichend selbstmörderischen Akt des an etwas brennendem Ziehens zu legen vermag. Hatte allerdings Zweifel, dass das mir dies mit tränenden Augen und mäßig elegantem Husten gelingen würde. Also kein Rauchen, womit also sonst sollte ich das selbstzerstörerische Bewahren sichtbarer Indizien für eine der Vergangenheit angehörigen Beziehung vergleichen? Auf der Suche nach irrationaler Abhängigkeit meinerseits wurde ich überraschend fündig, als ich mich dabei ertappte, beim Lesen in meiner Tasche nach dem Kaugummi zu graben, das, entgegen meiner Vermutung, bereits zwischen meinen Zähnen klebte, und zwar seinem Geschmack nach zu urteilen schon ziemlich lang. Ja, okay, irgendwie bin ich schon ein Bisschen kaugummisüchtig. Der einzige einleuchtende Grund für Kaugummikonsum der mir einfällt, ist ein frischer Atem, der der sozialen Interaktion ja durchaus zuträglich ist. Alleine eine Zeitschrift lesend lässt sich dieses Argument aber wohl vernachlässigen. Soweit ich weiß sind in Kaugummis auch keine wissenschaftlich nachgewiesenen Suchtmittel enthalten, so kann ich mich also auch nicht rausreden. Was ist es dann? Gewöhnung, vielleicht. Aber wenn ja, wann ging das los? Und kann ich das wirklich Sucht nennen? Schließlich kaue ich ja nicht den ganzen Tag lang ununterbrochen auf aromatisiertem Kautschuk herum. Allerdings werden die Leute die behaupten, ein Bier am Tag mache noch keinen Alkoholiker auch meistens wissend belächelt. Dazu kommt, dass ich auch eine möglicherweise leicht übertriebene Menge an Lippenpflegestiften und Lipglosssorten mein eigen nenne, ebenfalls ohne einleuchtende Erklärung. Lippenbalsam hat bei mir höchstens bei Minusgraden eine medizinische Berechtigung, und Lipgloss(eigentlich ja ein Utensil zur Selbstverschönerung) schlägt, zumindest meiner Erfahrung nach, potenzielle Knutschpartner eher in die Flucht als sie zu locken, wer sich nicht selbst klebriges Zeug auf die Lippen schmiert, ist meist auch sehr bedacht darauf, Fremdbeschmierung zu verhindern. Die einzige Person, von der ich weiß, dass sie der Meinung ist, mit Lipgloss sehe jede Frau noch ein Bisschen besser aus, ist Debbie Harry, und der werde ich wohl in naher Zukunft nicht über den Weg laufen. Und selbst wenn glaube ich nicht, dass eine Absicht zu Knutschen bestehen würde, weder ihrerseits noch meinerseits. Also noch eine sinnlose, ungefährliche Pseudo-Sucht. Freud würde vermutlich sagen, das hätte was mit Störungen in meiner oralen Phase zu tun. Mir fällt grad nicht ein was meine Eltern da wohl falsch gemacht haben müssten, scheiße, ich sollte mal so langsam anfangen für meine Pädagogik-Abiklausur zu lernen. Aber nicht heute, nee, jetzt geh ich ins Bett. Und wer weiß, vielleicht träume ich ja davon mit einem Kaugummiautomaten zu knutschen…


8 Antworten auf „Von Trennungen, Freud, dem Nichtrauchen und Debbie Harry“


  1. 1 tomarcte 22. Januar 2009 um 17:28 Uhr

    Das passt ja wider wie Faust aufs Auge.
    Ich nenne eine Debbie Harry-Single aus dem Jahr 1987 (glaube ich) mein eigen. Und der Song darauf heißt „French kissin´ in the USA“. Wo sich der Kreis irgendwie schließt. Herrlich das!

  2. 2 Plemo 22. Januar 2009 um 20:57 Uhr

    Hey Lena. Wie super ist denn dein Headder? Hast du den gemacht?
    Und, warst du eigentlich in Köln? Ich hatte dich doch auf die dortige Gästeliste geschrieben. Ich bin dann ob der hohen Lautstärke des Konzertes früh gegangen. Konnten wir mehr nicht mehr frnsh kisses austauschen. Hab ich nur geschrieben wegen Debbie Harry und weils passte. :)

  3. 3 ketchuptictac 22. Januar 2009 um 21:18 Uhr

    Jep,Header war ich höchstpersönlich. Und ja,ich war in Köln,wurde am Eingang schon komisch angeguckt weil ich zweimal auf der Liste stand, weil Alex dann doch noch n Platz übrig hatte und ich bei dir ja nich so genau wusste. Die Menge war übrigens schwer empört über deine Abwesenheit,der arme krink wurde die ganze Zeit mit „Plemo,Plemo“-Gegröhle genervt. Aber ja stimmt,laut wars.

  4. 4 Plemo 22. Januar 2009 um 21:31 Uhr

    das plemo gerufe habe ich noch mitbekommen. schade das wir uns nicht getroffen haben. hätt dich gern mal in echt und lebensgröße gesehen.

  5. 5 ketchuptictac 22. Januar 2009 um 21:38 Uhr

    so spektakulär bin ich jetzt auch nicht xD Aber irgendwann werden wir uns sicher mal übern Weg laufen, ich bin schließlich so ne Art offizielles (rein platonisches) Labelgroupie ;)

  6. 6 Plemo 23. Januar 2009 um 10:49 Uhr

    ok. das klingt ja gut, so rein platonisch.
    du, ich wollt wissen ob du dein headder da oben selbst gemacht ist. den find ich nämlich super. :)

  7. 7 ketchuptictac 23. Januar 2009 um 15:43 Uhr

    Ja,war ich,steht doch da oben:
    „Jep,Header war ich höchstpersönlich.“
    Wenn man genau hinguckt sieht man den jämmerlich erweiterten Teil des Regenbogens,da war ich etwas ungeduldig. Aber an sich find ich das Ding auch ganz gut gelungen, kann man mal sehn was Photoshop 7 so alles kann ;)

  1. 1 Von Debbie Harry, französischen Küssen und der alten Fringe « Tomarcte Pingback am 22. Januar 2009 um 19:06 Uhr
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